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18.08.2017

Geschichte mit Bild

Es war einmal ein kleiner, unbedeutender Hase. Er war groß, hatte blaue Augen und trug in seinen Hosentaschen immer allerlei kleine Dinge mit sich herum. Eines Tages traf er auf eine nette Maus. Er hatte sie schon mal gesehen, aber das war lange her. Sie unterhielten sich, erst kurz, dann immer läänger. Mit einem ä. Und sie waren bald mehr als einfach nur Freunde. Sie sprachen über alles, von Apfelkernknacken bis Z. Zuhören wollten sie sich gegenseitig, die Stimme des anderen hören. Und das taten sie, oft stundenlang. Sie waren füreinander da, und wollten das auch bleiben.

Doch von einem Tag auf den anderen war die kleine Maus plötzlich nicht mehr da. Der Hase rief und suchte nach ihr, doch vergebens. Bald machte er sich große Sorgen, vergaß seinen Hunger und konnte nachts vor lauter Kummer nicht mehr schlafen. Er weinte und schimpfe und weinte wieder. Ihm war unbegreiflich warum sie ihm das antat, nach all den schönen gemeinsamen Minuten. Er konnte das nicht einordnen und es würfelte ihn durcheinander dass er bald aussah wie ein von Tränen durchgeweichtes Birchermüsli.

Traurig streifte er durch die Felder und stolperte des öfteren über seine bis zum Boden hängenden Schlappohren. Warum warum, doch ein darum fand er nicht in seinen Gedanken. In diesen drehte sich Alles nur noch um die kleine Maus. Seine Maus. Sie hatte ihm von Anfang an so viel gegeben, nur weil sie da war. Für ihn. So sehr wie sonst niemand sonst. Mit ihr hätte er sogar sein Gelberübenfeld geteilt. Doch nun war sie nicht mehr da. In ihrem Bau konnte er sie nicht besuchen, wer weiß wo der war. Und sicher würde er dort als Hase gar kein Zutritt bekommen. Verzweifelt setzte er sich in sein Feld und ließ sich von den Schnecken die schönsten Rüben wegfressen. Wut und Sorgen wechselten sich mit Angst und dem Gefühl der Hilflosigkeit ab. Eigentlich konnte man Zustand des kleinen Hasen gar nicht mehr beschreiben. Es war eigentlich schon Trauer.

Eines Tages erfuhr der Hase dass sich die Maus nicht mehr aus ihrem Bau trauen würde, aus Angst davor gefressen zu werden. Der Hase fing an in seinen Hosentaschen zu wühlen. Er war sich sicher darin etwas Passendes zu finden. Es dauerte zwar so seine Zeit bis er alle Ecken und Winkel durchhatte, aber dann machte er sich sofort ans Werk.Er wollte der kleinen Maus zeigen dass er auch in schwierigen Zeiten für sie da ist, so wie er es ihr versprochen hatte. Auch wenn er zeitweise den Glauben an seine Freundin verloren hatte, setzte er jetzt wieder alles daran ihr zu helfen und sie wiederzusehen. Sie fehlte ihm schon sehr. Tag und Nacht grübelte er über das wie und wo, und dann, nachdem er an Nachbars Spinat geknabbert hatte, wusste er genau wie er das versuchen wollte. Alles sollte möglichst unauffällig sein, Schutz bieten und auch noch ein wenig Freude bringen. Und so versteckte er unzählige kleine Dinger in der Erde. Er war selber überrascht in welchen Mengen er diese in seinen Taschen vorfand. Zum Schluss korrigierte er noch hier und da wohlüberlegt ein paar Stellen und begann mit der Schlepperei von Gieskannen. Ob er diese auch in seinen Hosentaschen fand ist nicht überliefert, dass er den passenden Wasserhahn bei sich trug dagegen schon.

Kurze Zeit später trieben kleine grüne Pflänzchen aus der Erde, wurden höher und größer und bildeten bald ein Schutz bietendes Dickicht aus Stängeln und Blättern. Doch der kleine Hase wäre nicht der kleine Hase wenn er es sich so leicht gemacht hätte. Denn in den Tiefen dieses Urwaldes taten sich, gut versteckt, Wege auf, gerade groß genug für die kleine Maus. Diese Wege endeten alle im Versteck des Hasen, an dem seitdem die Tür immer einen Spalt weit offen steht. Hier war genug Platz um der kleinen Maus in den Armen des Hasen Schutz und Geborgenheit zu bieten.

Es dauerte nicht lange und es öffnete sich ein Meer aus gelben, strahlenden Blüten, eine schöner als die andere. Aus der Dunkelheit wollte er so seine heimliche Liebe führen, ihr das Herz erwärmen und ihr zeigen wie wichtig sie für ihn ist und dass er Alles für sie macht, so wie er es ihr mehrfach versprochen hatte.Angekommen ist die kleine Maus beim kleinen Hasen bisher noch nicht. Warscheinlich liegt es an dem kleinen Zettel den der Hase irgendwo in diesem Blumenmeer verloren hatte. Auf diesem zerknitterten Stück Papier hatte er die schönen Sekunden ausgerechnet die er bisher mit der Maus verbracht hatte. Und für jede Sekunde wollte er ihr eine Sonnenblume pflanzen. Die kleine Maus hat sicher den Zettel gefunden und rechnet und zählt bestimmt noch nach ob sich der Hase nicht doch irgendwo vertan hat. Denn sie kann manchmal schon ganz genau sein.

Und wenn du jetzt die Geschichte nicht glaubst, dann kommt hier das Bild vom Sonnenblumenmeer.

Foto © Werner Pietschmann
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